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Freiwillige im Einsatz für Obdachlose: «Das wird sehr bewundert»

Nicole engagiert sich freiwillig im Pfuusbus des Sozialwerks Pfarrer Sieber. Dort finden Obdachlose ein warmes Bett und Geborgenheit. Nicole erzählt, warum sie sich für dieses Engagement entschieden hat, was sie besonders berührt und weshalb sie allen empfiehlt, freiwilliges Engagement einfach auszuprobieren.

Als Nicole im September 2024 eine Infoveranstaltung des Sozialwerks Pfarrer Sieber besuchte, interessierte sie sich eigentlich zuerst für die Kältepatrouille der Stiftung. Doch schon beim Schnuppern merkte sie: Die Notschlafstelle Pfuusbus ist mein Ort. «Ich habe sofort gespürt, dass ich dort etwas geben kann, das den Menschen wirklich guttut», sagt sie.

Was treibt jemanden an, seine Freizeit für Menschen einzusetzen, die auf der Strasse leben? Für Nicole ist die Antwort klar: «Es muss hart sein, von der Gesellschaft abgeschnitten zu sein. Jeder hat eine Meinung über dich, aber interessieren tut sich kaum jemand.» Im Pfuusbus könne sie genau das schenken, was oft fehlt: Aufmerksamkeit und ein Stück Normalität. «Das motiviert mich jedes Mal aufs Neue.»

Ein Einsatz zwischen Kaffee, Gesprächen und Begegnungen
Ein typischer Abend beginnt für Nicole mit dem Check-in der Gäste. Sie sorgt dafür, dass Kaffee und Tee bereitstehen, erledigt den Abwasch und gibt Handtücher und Schlüssel für WC und Dusche heraus. Wenn es ruhiger wird, setzt sie sich zu den Menschen an den Tisch. Einfach zuhören, da sein und auch mal fragen: «Wie geht es dir heute?»
In der Nachtschicht gibt es bis 1 Uhr Getränke und Essen für spät Ankommende, später ein paar Stunden Schlaf, bevor ab 6 Uhr schon das Frühstück vorbereitet wird. «Brot aufbacken, Kaffee machen und natürlich wieder Gespräche führen.»
Besonders berührend findet Nicole die Offenheit vieler Gäste: «Wie verletzlich sich manche zeigen, ist für mich nicht selbstverständlich. Du bekommst einen ungeschönten Einblick in ihr Leben. Das macht demütig.» Sie erlebt die Gäste mehrheitlich dankbar und freundlich. Für diesen Freiwilligen-Job brauche es Offenheit, Respekt und Geduld. Die Lebensrealität der Gäste sei schwierig, Privatsphäre gebe es kaum. «Manchmal bedeutet Hilfe auch, einfach jemanden in Ruhe zu lassen.»

«Die Gäste staunen, dass wir das freiwillig tun.»
Für die Menschen, die im Pfuusbus Zuflucht finden, ist die Anwesenheit von Freiwilligen mehr als praktische Unterstützung. «Viele können kaum glauben, dass wir unsere Freizeit unentgeltlich schenken. Das wird sehr bewundert.»

Ihr Engagement hat Nicoles Blick auf die Gesellschaft verändert. «Es ist verrückt, wie sehr sich die Welten unterscheiden, in denen wir Menschen uns bewegen, obwohl wir doch alle am selben Ort leben. Und es erstaunt mich immer wieder, dass Gemeinschaft so wenig gelebt wird, wo wir doch alle soziale Wesen sind und uns nach Verbindung sehnen.»
Was rät sie Menschen, die mit dem Gedanken spielen, sich freiwillig zu engagieren? «Einfach ausprobieren! Man kann sich vorher vieles überlegen, aber wie es wirklich ist, weiss man erst, wenn man es einmal macht.»

Hier geht’s zu den Job-Inseraten der Stiftung Sozialwerk Pfarrer Sieber
https://www.benevol-jobs.ch/de/organisation/stiftung-sozialwerk-pfarrer-sieber