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Mehr als nur ein Bahnhof: Wo freiwillige Präsenz etwas bewegt

Sie helfen bei der Orientierung, haben ein offenes Ohr und sorgen mit ihrer Präsenz für ein gutes Miteinander: Bahnhof-Patinnen und Bahnhof-Paten von RailFair, 
SBB-Präventionsprogramm, sind mitten im öffentlichen Leben unterwegs. Für Danijel Dimitrioski macht gerade diese Mischung aus Begegnungen, Verantwortung und überraschenden Geschichten den besonderen Reiz des freiwilligen Engagements aus.


Ein Bahnhof ist ständig in Bewegung. Menschen kommen und gehen, suchen den richtigen Zug, warten auf Anschlüsse oder sind unterwegs zu Terminen. Genau hier sind die Bahnhof-Patinnen und Bahnhof-Paten von RailFair, SBB Präventionsprogramm, präsent: sichtbar, ansprechbar und mit einem offenen Ohr. Dies ganz nach dem Motto «Hinsehen, helfen und melden».
«Wir sind nicht irgendwo im Hintergrund tätig, sondern mitten im Geschehen», sagt denn auch Danijel Dimitrioski. Als Bahnhof-Pate erlebt er ganz unterschiedliche Situationen: Mal braucht jemand Hilfe bei einer Verbindung, mal entsteht ein gutes Gespräch. Manchmal reicht sogar schon die blosse Präsenz.
Die Aufgabe bestehe nicht darin, den Bahnhof zu überwachen oder den Sicherheitsdienst zu ersetzen. Die Freiwilligen sind zu zweit unterwegs, beantworten Fragen, helfen bei der Orientierung und sprechen Reisende bei Bedarf freundlich auf Regeln an: etwa bei Littering oder unerlaubtem Rauchen. «Unsere Stärke liegt vielmehr in der Kommunikation, der Präsenz und darin, Situationen möglichst unkompliziert und respektvoll anzugehen.»

Menschenkenntnis statt Bahnexpertenwissen
Wer sich engagieren möchte, muss weder Bahnprofi noch Sicherheitsfachperson sein. Viel wichtiger sind andere Eigenschaften: Offenheit, Zuverlässigkeit, Respekt und Ruhe im Umgang mit unterschiedlichen Menschen. Und ein wenig Humor kann ebenfalls nicht schaden, wie man im Gespräch mit Dimitrioski schnell merkt.
Am Bahnhof treffen ganz unterschiedliche Charaktere aufeinander und damit manchmal auch unterschiedliche Vorstellungen davon, was erlaubt ist. Für Dimitrioski braucht es deshalb vor allem Fingerspitzengefühl. «Nicht jede Situation muss mit erhobenem Zeigefinger gelöst werden. Oft kommt man mit einem freundlichen Gespräch und Menschlichkeit viel weiter.»
Das nötige Wissen kommt mit der Zeit. Neue Freiwillige werden zunächst in Aufgaben, Abläufe und Zuständigkeiten eingeführt und gehen anschliessend gemeinsam mit erfahrenen Bahnhof-Paten in den Einsatz. So lässt sich vieles direkt in der Praxis lernen. «Niemand muss alles vom ersten Tag an wissen. Vieles lernt man wirklich am besten miteinander in der Praxis.»

Kein Einsatz gleicht dem anderen
Planbar ist bei einem Bahnhofpatrouillendienst vor allem eines: wann der Einsatz beginnt und endet. Was dazwischen passiert, bleibt offen. Genau das macht für Dimitrioski einen grossen Teil der Faszination aus.
«Man weiss zwar, wann der Dienst beginnt und endet, aber nie genau, was in diesen Stunden passieren wird.» Vielleicht braucht jemand Hilfe beim Umsteigen, vielleicht muss eine Regel der Bahnhofordnung angesprochen werden oder es ergibt sich ein überraschend gutes Gespräch. Und manchmal erlebt man Geschichten, mit denen man beim besten Willen nicht gerechnet hätte.
Natürlich gehören auch schwierigere Momente dazu. Nicht alle Reisenden reagieren begeistert, wenn sie auf ein Fehlverhalten angesprochen werden. Die Devise lautet deshalb: ruhig bleiben, Grenzen kennen und keine unnötigen Konfrontationen suchen. Wird eine Situation sicherheitsrelevant, ziehen sich die Freiwilligen zurück und informieren die zuständigen Stellen.
«Ich sage meinem Team lieber einmal zu früh: ‹Lasst es gut sein›, als einmal zu spät.» Denn Heldentum ist ausdrücklich nicht gefragt. «Unsere Aufgabe ist Präsenz und Unterstützung. Heldentum steht nicht im Aufgabenbeschrieb.»

Kleine Momente, die bleiben
Was hält Menschen langfristig bei einem solchen Engagement? Für Dimitrioski ist die Antwort nicht nur die Aufgabe selbst, sondern vor allem das Team. Man kennt sich, tauscht Erfahrungen aus und kann gemeinsam über kuriose oder schwierige Situationen sprechen. So entsteht mit der Zeit eine besondere Verbundenheit, auch mit dem eigenen Bahnhof.
Dazu kommen die kleinen Erfolgserlebnisse: ein ehrliches Dankeschön, ein gutes Gespräch oder jemandem konkret weitergeholfen zu haben. «Das klingt vielleicht nach Kleinigkeiten, aber genau solche Momente bleiben hängen.»
Und dann verändert sich irgendwann auch der eigene Blick auf den Bahnhof. Er ist nicht mehr einfach der Ort, wo man auf den Zug rennt. Man kennt die Abläufe, die Menschen und die Dynamik vor Ort und schaut automatisch etwas genauer hin.
«Wahrscheinlich ist das dann der Moment, in dem man endgültig Bahnhof-Patin bzw. Bahnhof-Pate geworden ist», so Dimitrioski.
Für Menschen, die überlegen, sich freiwillig zu engagieren, hat Dimitrioski einen einfachen Rat: «Schaut es euch einmal an.» Man müsse weder einen Fahrplan auswendig kennen noch eine spezielle Ausbildung mitbringen. Wer gerne mit Menschen zu tun hat, offen und zuverlässig ist und etwas Sinnvolles für die Gemeinschaft tun möchte, bringe bereits viel mit. Und wer weiss: Vielleicht wird aus einem neugierigen Blick hinter die Kulissen ein Engagement, das länger bleibt als ursprünglich geplant.

Hier geht’s zu den Job-Inseraten von SBB RailFair
https://www.benevol-jobs.ch/de/organisation/sbb-railfair